30.05.2024

Wenn Wohnen zur Ware wird

Eine Demo mit unzähligen Fahnen in gelb und violett und einem Front-Transparent mit der Aufschrift: Deutsche Wohnen & Co enteignen.

Foto: Salzgeber

„Sold City“, der neue Film in zwei Teilen von Leslie Franke und Herdolor Lorenz zeigt, wie der Immobilien-Boom in Deutschland entstanden ist, wie die Betroffenen ihn erleben und wie wir uns wehren können. Zum bundesweiten Premierentag am 02. Juni 2024 ist der Eintritt frei!

Seit die Gemeinnützigkeit des Wohnungsbaus fast überall in Europa aufgehoben wurde, gilt Wohnen nicht mehr als Menschenrecht. Nun entscheidet der Markt, wo Menschen leben. Damit hat sich auch in Deutschland ein System der Vernichtung bezahlbaren Wohnraums etabliert, das unsere Gesellschaft auseinanderdividiert.

 

„Wer nicht Bescheid weiß, kann sich nicht wehren. Widerstand muss von unten kommen – und der kommt nur auf, wenn die Menschen wissen, worum es geht.“

Herdolor Lorenz

In Deutschland, insbesondere in den Großstädten, leben traditionell mehr Menschen zur Miete als in Eigentum. Diese Menschen, in Berlin sind es sogar 82 Prozent, sind zunehmend bedroht. Die Ursachen sind eine neoliberale Politik seit der Jahrtausendwende und die Finanzkrise.

Ein in Deutschland vergleichsweise guter Mieter*innen-Schutz wurde zum Wohle des Kapitals mehr und mehr aufgeweicht. Seither geht es nicht mehr ums Wohnen, sondern um Geldanlage. Internationales Kapital kreist um das sogenannte Betongold.

 

Eigentum statt Menschenrecht

Der 1. Teil „Eigentum statt Menschenrecht“ befasst sich mit dem System der Umwandlung von Wohnraum in Konzern-Eigentum. Banken, Fonds und internationales Anlage-Kapital drängen seit vielen Jahren in die Städte. Mieter*innen sind nicht mehr sicher vor dem Verkauf ihrer Wohnungen. Beim Kassemachen sind sie die Einzigen, die stören. Die Politik scheint sich völlig von ihrer Versorgungspflicht zu verabschieden, der Sozialwohnungsbau schwindet im Dienste privater Investoren seit Jahrzehnten trotz Milliarden an Subventionen. Wie sieht das in anderen Großstädten wie London oder Wien aus, um die das Investorenkapital ebenso kreist?

 

Enteignung statt Miete für die Rendite

Der 2. Teil „Enteignung statt Miete für die Rendite“ widmet sich den großen Wohnkonzernen, die mit der Miete hauptsächlich die Dividenden der Aktionäre finanzieren. Die Volksinitiative „Deutsche Wohnen & Co.“ fordert schon seit Jahren die Enteignung großer Wohnungskonzerne. In London ist die Situation für Mieter*innen sogar noch problematischer. Die Autorin Anna Minton beschreibt die Verdrängung der arbeitenden Bevölkerung nicht mehr nur als Gentrifizierung, sondern als „Sterilisierung der Städte“. Wien liefert das Gegenbeispiel: Private Investoren müssen hier zwei Drittel ihrer Projekte als geförderte Wohnungen bauen, in denen die Mieter*innen ihr Leben lang wohnen dürfen. Warum geht das nicht auch bei uns? Der Blick geht auch ins hochkapitalistische Singapur, wo Boden ein besonders begrenztes Gut ist. Wenn viel „freies Kapital“ über dem Boden kreist, explodieren die Bodenpreise, wie etwa im Zuge der Finanzkrise geschehen. Doch dank eines Boden-Enteignungsgesetzes leben in Singapur 86 Prozent der Bevölkerung im Kommunalen Wohnungsbau. Warum sollte das nicht auch bei uns funktionieren?

Zum bundesweiten Premierentag am 02. Juni 2024, 19 Uhr, ist der Eintritt frei und es gibt im Anschluss ein Filmgespräch mit verschiedenen Gästen. Die Veranstaltung ist eine Zusammenarbeit mit dem Dresdner Bündnis „Mietenwahnsinn stoppen!“ und Verdi, Spenden sind willkommen!

Ab Donnerstag, dem 06. Juni 2024 läuft der Film bei uns weiter im Wochen-Programm.