15.06.2026

Tschechischer Filmmittwoch

Adela, in weißem Kleid und mit weißem Hut, steht mit geschlossenen Augen und geneigtem Kopf unter einer riesigen, roten fleischfressenden Pflanze.

Foto: Adele hat noch nicht zu Abend gegessen (1978)

Jeden ersten Mittwoch im Monat zeigt die KG Euroregion Elbe/Labe im Rahmen der Reihe Tschechischer Filmmittwoch – Česká filmová středa einen tschechischen Film im Original mit deutschen Untertiteln.

Damit will der Verein das vielfältige Filmschaffen der Tschechoslowakei (bzw. der ČSSR und der ČSFR) und Tschechiens dem deutschen Publikum präsentieren und gleichzeitig das Kinoprogramm in Dresden um einen interessanten Aspekt erweitern. Die Filmauswahl besteht vor allem aus Streifen, die in ihrem Heimatland zu großen Erfolgen wurden, die aber (meistens) trotzdem einen hohen künstlerischen Anspruch erfüllen. Die Auswahl geht bis zurück in die 1930er Jahre, und es soll eine gute Abwechslung zwischen Filmen aus unterschiedlichen Jahrzehnten geben.

 

01.07.26: »Panelstory aneb Jak se rodí sídliště« (Panelstory oder Wie eine Siedlung entsteht)
OmU, CS 1979, 96 Min., R: Věra Chytilová

Das Leben bleibt eine Baustelle für die Mieter*innen in einer nur halbwegs fertiggestellten Prager Plattenbausiedlung. Zwischen den Häusern müssen sich junge Mütter mit ihren Kinderwagen durch Schlammmassen quälen, und auch in den Wohnungen liegt vieles im Argen: Hier bleibt ein korpulenter Mann wegen einer unbeweglichen Tür stecken, dort kommt kein Wasser aus dem Hahn, dafür aber ein Dialog aus der Nachbarwohnung durchs Rohr. Und aus dem Heizungsraum gibt es kein Entkommen, weil der Türgriff fehlt.

Einen Tag in diesem baulichen Durcheinander schildert Věra Chytilovás Spielfilm anhand der Erlebnisse einer Handvoll Menschen unterschiedlichen Alters, die sich im Chaos eines als „Gartenvorstadt“ konzipierten Dauerprovisoriums zurechtfinden müssen. Věra Chytilová, 2002: „Dabei handelt es sich nicht um eine kritische Reaktion auf das Regime, sondern vielmehr um eine Betrachtung menschlichen Verhaltens.“ Dennoch wurde ihre vergnügliche Gesellschaftssatire zwei Jahre lang zurückgehalten und in der ČSSR erst 1981 aufgeführt.

Věra Chytilová ist eine der wenigen Frauen, die an der berühmten Tschechoslowakischen Neuen Welle in den 1960ern beteiligt waren. Ansonsten werden da vor allem Namen wie Miloš Forman, Ivan Passer, Jaroslav Papoušek oder Jiří Menzel genannt. Berühmt wurde Chytilová durch Sedmikrásky (Tausendschönchen) von 1966.

 

05.08.26: »Kristián« (Kristián)
OmU, CS 1939, 95 Min., R: Martin Frič

Die Hauptfigur dieser Komödie ist der Reisebüroangestellte Alois Novák, der einmal im Monat in der Orient Bar den reichen Generaldirektor Herr Kristian mimt. Er gesellt sich dabei regelmäßig zu schönen Damen, denen er – wie am Schalter des Reisebüros – von der zauberhaft Schönheit Ägyptens vorschwärmt. Eines Tages gerät er an die junge und reiche Zuzana, die seinen dezenten Abgang nicht einfach hinnimmt. Sie durchschaut sein Doppelleben, bringt ihn in einige Schwierigkeiten und letztendlich zurück in die Realität an der Seite seiner Ehefrau.

Diese Gesellschaftskomödie entstand nach dem französischen Theaterstück „Kristian“. Obwohl das Thema des Films nicht besonders originell war, machten ihn die geschmackvolle Umsetzung und die gefühlvollen Darstellungen der beiden Hauptdarsteller zu einem Evergreen des tschechischen Films.

Der Film wurde im Frühjahr 1939 nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch Hitlerdeutschland (also im Protektorat Böhmen und Mähren) gedreht und hatte am 8. September 1939 Premiere. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Film erneut gezeigt, allerdings wurden einige Szenen mit Adina Mandlová und Jára Kohout herausgeschnitten, die durch ihr Verhalten während der Protektoratszeit in Ungnade gefallen waren.

 

02.09.26: »Obchod na korze« (Das Geschäft in der Hauptstraße)
OmU, CS 1965, 128 Min., R: Ján Kadár, Elmar Klos

1942 beschließt die faschistische Regierung des so genannten Slowakischen Staates die Nürnberger Gesetze. Beschlagnahmte jüdische Unternehmen werden an überprüfte slowakische Bürger übergeben. Der Schreiner Tono Brtko (Jozef Króner), ein ehrlicher und anständiger Mann, akzeptiert unter dem Druck seiner gierigen Frau und seines hochrangigen Schwagers nur widerwillig den Arier-Erlass für das Kurzwarengeschäft der alten jüdischen Dame Rozalia Lautmannová (Ida Kamińska). Die halbtaube Dame versteht nicht, was im Lande vor sich geht, und betrachtet Tono als ihren Gehilfen. Zu Hause und in der Öffentlichkeit tut Brtko jedoch so, als würde er den Laden führen. In Wirklichkeit renoviert er im Haus von Frau Lautmann alte Möbel, während sie sich um ihn kümmert wie um einen Sohn. Doch dann kommt der Tag, an dem alle Juden der Stadt zum Abtransport vorgeladen werden und Tono Farbe bekennen muss…

 

07.10.26: »Knoflíkáři« (Die Knöpfler)
OmU, CZ 1997, 102 Min., R: Petr Zelenka

Es handelt sich um einen Film, der aus sechs Kurzgeschichten besteht, die meist in schwarzhumoriger, ironischer und oft auch bitterer Form von einem alten Fluch, menschlicher Untreue, seltsamen Abweichungen, einem unerwarteten Wunder und heuchlerischer Vergebung erzählen. Sie haben ihre eigene pointierte Struktur, eine spezifische Atmosphäre und Art der Umsetzung, und dennoch geben sie sich gegenseitig Motive weiter, die miteinander kommunizieren und dieselben Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

 

04.11.26: »O věcech nadpřirozených« (Von übernatürlichen Dingen)
OmU, CS 1958, 104 Min., R: Jiří Krejčík, Jaroslav Mach, Miloš Makovec

Gloria

Ein Buchhalter übernimmt – nicht ganz freiwillig – die Schuld für die schlechte Arbeit eines frisch Vater gewordenen Kollegen. Am nächsten Morgen erwacht er mit einem Heiligenschein. Der ist jedoch zu keinerlei Nutzen, sondern macht ihm nur Scherereien und bringt die Menschen und sogar seinen geliebten Hund gegen ihn auf, was ihn tief unglücklich werden lässt. Wie kann er ihn nur wieder loswerden?

Das Geheimnis der Schrift

Der eine Mann ist zutiefst eifersüchtig und verdächtigt seine junge, hübsche Frau ständig der Untreue. Er beneidet seinen Freund für seine glückliche Ehe ohne derartige Probleme. Eines Abends besuchen sie die Vorstellung eines Wahrsagers, der anhand eines Schriftstücks den Charakter desjenigen herausfindet, der es geschrieben hat. Aufgrund einer Verwechslung analysiert er das falsche Schriftstück, und im Ergebnis kehrt sich alles um: der eine vertraut seiner Frau nun rückhaltlos, während der andere die seine der Untreue bezichtigt. Werden sie die Wahrheit herausfinden?

Der Rechtsfall

Bei einem glimpflichen Autounfall mit einer Beerdigungsprozession stellt sich heraus, dass der alte Mann im Sarg gar nicht tot war. Voller Freude fährt der Autofahrer ihn nach Hause. Was ein glücklicher Ereignis sein sollte, entwickelt sich zum Alptraum für den Autofahrer: Die Familie des doch nicht Verstorbenen möchte die Kosten des nicht stattgefundenen Begräbnisses erstattet haben. Und der alte Mann, der offiziell als tot gilt, erhält keine Rente mehr, die er nun vom Autofahrer haben will. Dafür verfolgt er ihn überall hin, was ihn in den Wahnsinn treibt. Gibt es da keinen Ausweg?

 

02.12.26: »Adéla ještě nevečeřela« (Adele hat noch nicht zu Abend gegessen)
OmU, CS 1978, 105 Min., R: Oldřich Lipský

Der unbesiegbare Privatdetektiv Nick Carter kommt nach Prag, um einen Fall zu lösen, mit dem die örtliche Polizei nicht fertig wird. Er ist mit einem genialen Verstand und den neuesten bahnbrechenden Erfindungen ausgestattet und hat auf dem Weg von New York mühelos die tschechische Sprache gelernt. Vor Ort, insbesondere in den malerischen Kneipen bei einem Glas Bier, stellt er jedoch fest, dass in Tschechien alles etwas anders läuft als in Amerika. Wird es ihm gelingen, die teuflischen Pläne des kriminellen Grafen von Kratzmar zu vereiteln und die Unschuld der lieblichen Květuška zu retten?

Die Parodie auf billige Detektivromane wurde 1977 von Oldřich Lipský nach einer Idee und einem Drehbuch von Jiří Brdečka gedreht. Bei der Realisierung des Films kam eine ganze Reihe bedeutender Persönlichkeiten zusammen. Selbst für kleine Rollen besetzte der Regisseur berühmte Schauspieler, Theodor Pištěk entwarf beeindruckende Kostüme, Jan Švankmajer leistete einen Beitrag in Form von künstlerischer Mitarbeit und Animation, und Luboš Fišer komponierte die Musik. Das Ergebnis ist eine zeitlose Komödie, die man sich immer wieder ansehen kann, da sie jedes Mal aufs Neue für gute Unterhaltung sorgt.