16.02.2026
Tschechischer Filmmittwoch
Jeden ersten Mittwoch im Monat zeigt die KG Euroregion Elbe/Labe im Rahmen der Reihe Tschechischer Filmmittwoch – Česká filmová středa einen tschechischen Film im Original mit deutschen Untertiteln.
Damit will der Verein das vielfältige Filmschaffen der Tschechoslowakei (bzw. der ČSSR und der ČSFR) und Tschechiens dem deutschen Publikum präsentieren und gleichzeitig das Kinoprogramm in Dresden um einen interessanten Aspekt erweitern. Die Filmauswahl besteht vor allem aus Streifen, die in ihrem Heimatland zu großen Erfolgen wurden, die aber (meistens) trotzdem einen hohen künstlerischen Anspruch erfüllen. Die Auswahl geht bis zurück in die 1930er Jahre, und es soll eine gute Abwechslung zwischen Filmen aus unterschiedlichen Jahrzehnten geben.
07.01.26: »Želary« (Želary)
OmU CZ/SK/A 2003, 150 Min., R: Ondrej Trojan
Es sind die 1940er Jahre, die Zeit der Besatzung und des Protektorats. Eliška ist ein junges Mädchen, zu dieser Zeit eine unausgebildete Ärztin, da die Universitäten geschlossen wurden. Sie arbeitet als Krankenschwester in einem städtischen Krankenhaus und hat eine Liebesaffäre mit Richard, einem sympathischen und erfolgreichen Chirurgen. Sowohl Eliška und Richard als auch ihr gemeinsamer Freund, Dr. Chládek, engagieren sich im heimischen Widerstand. Eines Nachts bringen sie einen schwer verletzten Mann, einen Bauern aus dem abgelegenen Grenzgebirge, in die chirurgische Klinik. Der Mann braucht dringend eine Bluttransfusion. Er hat die gleiche Blutgruppe wie Eliska. Sie rettet ihm das Leben, indem sie spendet. So wird ein Band durch Blut geknüpft, das in unserer Geschichte zu einer seltsamen, ungewöhnlich starken Liebesbeziehung zwischen der modernen, städtischen, gebildeten Eliska und einem barbarischen, natürlichen Mann mit einer kindlichen Seele – Joza – führt. Die Widerstandsgruppe, an der die Ärzte beteiligt sind, wird von der Gestapo entflochten und verfolgt. Alle werden mit dem Tod bedroht. Während der Anführer der Gruppe, Häuptling Richard, Eliškas Geliebter, über Nacht im Untergrund verschwindet, überlegen sich ihre Mitstreiter in aller Eile ein anderes, scheinbar sicheres Versteck für Eliška hinter ihrem Rücken. Sie treffen eine Abmachung mit dem geduldigen Joza, Eliška in seiner Hütte weit weg in den Bergen zu verstecken. Mit falschen Papieren und einer neuen Identität ist Eliska, jetzt Hana, gezwungen, das Stadtleben über Nacht zu verlassen und die Frau eines Bergbauern zu werden. Sie lebt inmitten der wilden Natur, in einem Bergdorf, in dem die Zeit vor hundertfünfzig Jahren stehen geblieben ist. Dieses Dorf trägt den geheimnisvollen Namen Želary.
04.02.26: »Lásky jedné plavovlásky« (Die Liebe einer Blondine)
OmU CS 1965, 83 Min., R: Miloš Forman
Die junge Fabrikarbeiterin Andula (Hana Brejchová) lebt in einem Internat in einer Kleinstadt, in der auf einen Mann 16 Frauen kommen und man nach Feierabend nichts erleben kann. Der örtliche Fabrikdirektor überzeugt deshalb die Armee, dort einen Standort zu eröffnen. Das klappt nur so halb, da statt junger Wehrpflichtiger ältere Reservisten kommen.
Die erste Hälfte des Film wird dominiert vom Tanzabend, bei dem die Soldaten und die Damen aus der Stadt sich kennenlernen sollen. Drei nicht mehr junge Herren haben es auf Andula und ihre Freundinnen abgesehen und versuchen, sie mit Wein von sich zu überzeugen. Andula aber landet stattdessen im Bett des Pianisten Míla (Vladimír Pucholt).
Das unerfahrene Mädchen, dass sich nach Liebe sehnt, glaubt leicht an Versprechungen und Schmeicheleien. Deshalb fährt sie bald darauf zu Míla nach Prag, der noch bei seinen Eltern wohnt, jedoch nicht da ist. Der Abend, der im Wesentlichen die zweite Hälfte des Film bildet, verläuft komplett anders, als sie sich das gedacht hatte. Es wird unangenehm…
Wie Formans andere beiden tschechischen Langfilme ist auch dieser von einem speziellen Humor geprägt, der gleichzeitig immer eine tragische Komponente enthält. Ein gewisses Fremdschämpotenzial in Bezug auf die Protagonisten, die in keinster Weise verklärt werden, vereint alle drei Filme. Gleichzeitig entwirft Forman ein ungeschminktes Bild der Zeit. Dieser Film gehört unzweifelhaft zu den Hauptwerken der Tschechoslowakischen Neuen Welle und damit natürlich in den Tschechischen Filmmittwoch. Da wir die anderen beiden Filme schon im Programm hatten, ist dies für uns leider der letzte Film von Miloš Forman.
04.03.26: »Daleká cesta« (Der weite Weg)
OmU CS 1948, 108 Min., R: Alfréd Radok
Der Weg der Prager Juden in die deutschen Vernichtungslager, nachgezeichnet am Beispiel der Familie Kaufmann. Tochter Hana ist Ärztin und heiratet nach der Okkupation der Tschechoslowakei durch die Nazis ihren nicht-jüdischen Kollegen Dr. Antonín Bureš. Doch die Eheschließung kann nicht verhindern, dass Hanas Eltern ins KZ Theresienstadt deportiert werden. Als Antonín sich dort heimlich einschleicht, muss er nicht nur die entwürdigenden Lebensbedingungen zur Kenntnis nehmen, sondern auch die Nachricht, dass die Schwiegereltern bereits in den Osten „verlegt“ worden sind – nach Auschwitz, Majdanek oder Sobibor … Mit Daleká cesta schuf Alfréd Radok, der selbst im Arbeitslager interniert war und enge Verwandte in den KZs verlor, ein künstlerisch gültiges Abbild des Grauens im Holocaust. Stetig unterbrochen von dokumentarischem Filmmaterial, das die Einzelschicksale mit der Zeitgeschichte verknüpft, verdichten sich die Spielszenen zu einem albtraumhaften, expressionistischen „Totentanz“. Daleká cesta verschwand 1949 nach wenigen Vorstellungen aus den tschechischen Kinos und wurde erst 1991 wiederaufgeführt.
01.04.26: »Zahrada« (Der Garten)
OmU SK/F 1995, 103 Min., R: Martin Šulík
Die poetische Komödie, die 1995 sechs tschechische Löwen gewann und zum Filmereignis des Jahres wurde, erzählt die Geschichte von Jakub, einem Mann in den Dreißigern, der in ein Problem nach dem anderen verwickelt ist. Er kann seine Beziehung zu der verheirateten Tereza nicht lösen, seine Arbeit ist nicht befriedigend, und mit seinem Vater, mit dem er eine Wohnung teilt, kommt er nicht zurecht. Er beschließt, sein Leben zu ändern und fährt für ein paar Tage in das verlassene Haus seines Großvaters auf dem Land. Er ahnt nicht, dass sich sein Aufenthalt an diesem geheimnisvollen Ort verlängern wird, nachdem er ein mysteriöses Mädchen kennengelernt hat… Der Film zeichnet sich durch seine malerische Bildsprache aus. Regie führte Martin Šulík, die Hauptrolle spielte Roman Luknár (derzeit in der tschechischen Fernsehserie Invisible zu sehen). Marián Labuda als Vater wurde für seine Leistung in der Nebenrolle mit dem tschechischen Löwen ausgezeichnet.
06.05.26: »Nejistá sezóna« (Eine unsichere Saison)
OmU CS 1987, 88 Min., R: Ladislav Smoljak
Die im Jahre 1966 im Radio erfundene Figur des Jára Cimrman (die wir hier hoffentlich nicht näher vorstellen müssen) fand bereits kurz darauf ihren Weg ins Theater. In diesem wurden die vielfältigen Wege und Abenteuer des Helden meist in Form von Vorträgen dargestellt. Die wesentlichen Protagonisten waren dabei Ladislav Smoljak und Zdeněk Svěrák. Mit ihrer absurden und subversiven Art hatten die sozialistischen Behörden immer große Schwierigkeiten, wagten aber auch kein Verbot (bzw. hatten dafür keine konkrete Handhabe). So drangsalierten sie das Theater stattdessen mit ständigen Umzügen.
Im Film heißt die kleine Theatergruppe Divadlo starých forem (Theater der alten Form). Diese muss mal wieder umziehen, an einen neuen „Standort“ weiter entfernt von der Innenstadt und in einen ungeeigneten Saal eines Kulturhauses. Gleichzeitig wird von ihnen in wenigen Monaten die Premiere eines neuen Stückes erwartet. Wir erleben einen Blick hinter die Kulissen des Laientheaters, lernen die unterschiedlichen Persönlichkeiten und ihr Miteinander kennen und erleben die Schwierigkeiten im Umgang mit der Obrigkeit. Außer den Stücken auf der Bühne soll dabei nichts erfunden worden sein, sondern auf realen Ereignissen basieren. Dem genialen Duo Smoljak/Svěrák kommt man wahrscheinlich in keinem Film so nahe wie in diesem.
Auch wenn im Film der Name Jára Cimrman kein einziges Mal fällt, ist doch allen klar, dass er die Schwierigkeiten und Eigenheiten des gleichnamigen Theaters sehr realistisch darstellt. Dabei nehmen sich – typisch tschechisch – die handelnden Personen auch selbst auf die Schippe. Auf der Bühne sieht man Ausschnitte aus dem Repertoire des Divadlo Járy Cimrmana.
03.06.26: »Happy End«
OmU CS 1967, 73 Min., R: Oldřich Lipský
Der Film Happy End von Oldřich Lipský und Miloš Macourek aus dem Jahr 1967 ist ein gewagtes Experiment mit der zeitlichen Struktur einer Erzählung. Der komische und subversive Effekt wird dadurch erzielt, dass die Bilder entgegen dem Zeitfluss (rückwärts) laufen, während die Erzählung sich normal entfaltet.