24.10.2025
Tschechisch-Deutsche Kulturtage 2025
Im Rahmen der 27. »Tschechisch-Deutschen Kulturtage« sind in unserem Kino einige Filme zu sehen, die Teil eines vielfältigen und umfangreichen Festivalprogramms sind, bei dem auch Konzerte, Lesungen, Schauspiele und die bildenden Künste vertreten sind. Seit über 25 Jahren steht diese besondere Veranstaltungsreihe für lebendige Verständigung, Neugier, künstlerischen Dialog – und die verbindende Kraft der Kultur. Alljährlich bringt sie Gäste aus Tschechien und Deutschland zusammen – jenseits von Sprachbarrieren und Landesgrenzen.
Das diesjährige Motto »Strom« ist viel mehr als ein Titel – es symbolisiert den Fluss von Gedanken, die Energie des Miteinander, den grenzüberschreitenden Austausch von Perspektiven, ebenso wie die Strömungen unserer Geschichte und Gegenwart, die unser Zusammenleben formen. Strom kann verbinden, antreiben, inspirieren und auch neue Wege aufzeigen. All das findet seinen Widerhall im aktuellen Veranstaltungsangebot.
Folgende Festivalfilme sind im Zentralkino zu sehen:
01.11.2025, 20:00 Uhr: »Amerikánka« (Girl America)
CZ 2024, 108 min, Regie: Viktor Tauš, FSK 12, OmdtU
In »Amerikánka« erzählt Regisseur Viktor Tauš in einer aufregend surrealen Bildsprache die bewegende Geschichte eines Mädchens, das im repressiven tschechoslowakischen Erziehungsheim-System der 1980er-Jahre aufwächst. Zwischen institutioneller Gewalt, alltäglicher Härte und flüchtigen Momenten der Zärtlichkeit kämpft sie unbeirrbar für ihre Freiheit und Identität. Der Film verwebt Realität, Erinnerung und Fantasie zu einem vielschichtigen, visuell eindrucksvollen Erzählfluss. Mit kraftvollen Bildern, intensiver Musik und herausragenden Schauspielleistungen entfaltet sich ein emotionaler Sog, der das Publikum bis zur letzten Szene nicht loslässt. »Amerikánka« ist nicht nur das eindringliche Porträt eines ungewöhnlichen Lebens, sondern auch ein poetisches, politisches Statement über Menschlichkeit, Ausdauer – und die unerschütterliche Kraft des Träumens. Ein filmisches Erlebnis von großer Dringlichkeit und visionärer Kraft.
05.11.2025, 17:30 & 20:00 Uhr: »Černí baroni« (Der schwarze Baron)
ČSFR 1992, 99 min, Regie: Zdenik Sirový, FSK 12, OmdtU
Im Mittelpunkt des Films stehen sogenannte „politisch unzuverlässige“ Rekruten, die in den 1950er Jahren in einer Spezialeinheit des kommunistischen Regimes Dienst tun müssen. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Miloslav Švandrlík, erzählt der Film mit schwarzem Humor und scharfzüngigen Dialogen von einer bitter-komischen Zeitreise in eine Ära voller ideologischer Widersprüche, Überwachung und grotesker Bürokratie. Die Figuren bewegen sich in einem System, das von Misstrauen, Denunziation und absurden Vorschriften geprägt ist. Trotz der ernsten Thematik gelingt es dem Film, mit viel Witz und Ironie den Alltag in einer Diktatur sichtbar zu machen und die Absurditäten des Regimes bloßzustellen. Die Komik entsteht dabei oft aus den kleinen Widerständen und der Einfallsreichtum der Protagonisten, die versuchen, ihre Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit zu bewahren. Mit seinem gesellschaftskritischen Blick und der gelungenen Mischung aus Tragik und Komik ist der Film ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der tschechoslowakischen Geschichte und spricht zugleich universelle Themen wie Freiheit, Loyalität und Mut an.
Die Vorführung findet im Rahmen der Reihe »Tschechischer Filmmittwoch« statt.
10.11.2025, 19:00 Uhr: »Architektura ČSSR 58–89« (Architektur der Tschechoslowakei 58–89)
CZ/SK 2024, 126 min, Regie: Jan Zajíček, OmdtU
Der Dokumentarfilm »Architektura ČSSR 58–89« zeichnet ein vielschichtiges Porträt der tschechoslowakischen Architektur in den Jahren 1958 bis 1989. In dieser Zeitspanne treffen Hoffnungen des sozialistischen Aufbruchs auf internationale moderne Strömungen – es entstehen Bauten, die gleichermaßen Ausdruck politischer Ideale wie künstlerischer Visionen sind. Jan Zajíček führt durch markante Beispiele, von repräsentativen Kulturhäusern über visionäre Wohnsiedlungen bis hin zu technisch kühnen Bauwerken aus Beton, Glas und Stahl. Zugleich erzählt der Film von den Architekt:innen, deren kreative Energie sich oft in einem Spannungsfeld aus staatlicher Kontrolle, gesellschaftlichem Wandel und persönlichem Gestaltungswillen entfaltete. So entsteht ein eindrucksvolles Panorama: Architektur als Spiegel einer Ära, in der Fortschrittsglaube und individuelle Handschrift immer wieder aufeinandertrafen.
Im Anschluss an die Vorführung laden wir zum Publikumsgespräch mit dem Regisseur ein – für Austausch, Fragen und vertiefte Einblicke. Moderiert von Monika Veselá. In Kooperation mit dem Zentrum für Baukultur Sachsen.
12.11.2025, 20:00 Uhr: »Mord« (Schöner Schlachten)
CZ/SK 2024, 84 min, Regie: Adam Martinec, FSK 12, OmdtU
Zabijačka – die Hausschlachtung – ist bei den Großeltern im mährisch-schlesischen Osoblažsko ein fester Jahresbrauch. Einmal im Jahr kommt die ganze Familie zusammen: zum Essen, Trinken, Streiten – und um einfach da zu sein. Doch diesmal ist alles anders. Der Großvater weiß nicht, wie er seinem Schwiegersohn Karel sagen soll, dass dies die letzte Schlachtung ist. Romana vermisst ihre verstorbene Mutter, Lucies Ehe steht vor dem Aus, ihr Sohn Dušan sucht Halt zwischen patriarchalen und weiblichen Rollenerwartungen. Onkel Šupina trinkt seit dem Morgen, Metzger Tonda verheimlicht feuchtes Pulver – und ein verbitterter Nachbar plant seine späte Rache. Mit feinem Gespür für Zwischenräume erzählt »Mord« von einem Tag, an dem Beziehungen auf die Probe gestellt werden – und sich zeigt, wie stark oder brüchig die Bande sind, die durch Tradition, Liebe und alte Wunden geknüpft wurden.
Nach der Vorführung findet ein Gespräch mit dem Hauptdarsteller Karel Martinec statt.