08.11.2021

Der Visionär

Zweiteilige Fotomontage: Links ein schwarz-weiß-Portrait von Salman Schocken als älterem Herrn mit Anzug, weißem Schnauzbart und intensivem Blick. Rechts überlagern weiße Querstreifen ein Fassadenbild von einem der Schocken-Kaufhäuser.

Fotos: Schocken Foundation

Der jüdische Unternehmer Salman Schocken gründet in Zwickau 1904 eine Kaufhauskette mit einer bahnbrechenden Geschäftsidee: Er will den Lebensstil der „kleinen Leute“ mit modernem Design revolutionieren – und verbindet modernes Management mit sozialen Leistungen für seine Angestellten. Erich Mendelsohn baut für ihn Gebäude in Nürnberg, Stuttgart und Chemnitz.

Bald gehören 22 Kaufhäuser und 6.000 Mitarbeitende zu Schockens Imperium. Den wirtschaftlichen Erfolg nutzt Schocken, um einer humanistischen Vision zu folgen, die die Kultur in den Mittelpunkt der menschlichen Entwicklung stellt – und jüdischen Menschen eine kulturelle Heimat gibt. Als Autodidakt wird er zum profilierten Literaturkenner und Buchsammler. 1929 gründet er das „Schocken-Institut zur Erforschung der hebräischen Poesie“, 1931 in Berlin den Schocken Verlag, in dem u.a. das Werk Franz Kafkas erscheint. Als Mäzen fördert er zahlreiche jüdische Schriftsteller und Gelehrte. Die Nazis entreissen ihm erst seine Warenhäuser, dann den Verlag. Er entscheidet sich für Eretz Israel, das jüdische Palästina, und kauft die liberale Tageszeitung Haaretz, die heute von seinem Enkel Amos weitergeführt wird.

„Ein vielschichtiger Porträtfilm, der eine Brücke vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart schlägt.“

Edition Salzgeber

Unternehmer, Intellektueller, Büchermensch, Verleger, Mäzen, Ästhet – in ihrem Film „Schocken – Ein deutsches Leben“ spürt Noemi Schory dem Leben und Werk einer der visionärsten und kulturell engagiertesten Unternehmer-Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts nach. Exklusive Archivaufnahmen illustrieren eine historische Reise von Zwickau über Chemnitz, Crimmitschau und Berlin bis nach Jerusalem; Zeitzeugen und Schocken-Kenner berichten über die Bedeutung des Entrepreneurs für die jüdische Kulturgeschichte.

 

Über die Regisseurin

Noemi Schory (Regie & Buch) arbeitet seit 1988 als unabhängige Produzentin mit einem Fokus auf Dokumentarfilm. In ihrer Filmografie finden sich auch zahlreiche internationale Koproduktionen. Zu den ca. 80 Dokumentarfilmen, die sie produziert hat, gehören „A Film Unfinished“ (deutscher Titel: „Geheimsache Ghettofilm“, Regie: Yael Hersonski), „Pinhas‘ Dream“ und „The Settlers“ (Regie: Ruth Valk) sowie „The Inner Tour“ (Regie: Raanan Alexandrowicz). Selbst Regie hat Schory u.a. bei „Haute Cuisine goes Kosher“, „The State of Israel vs. John Ivan Demjanjuk“, „Transport 222“, „Born in Berlin“, 35 Kurzfilme für das New Historic Museum Yad Vashem und 12 Kurzfilme für die Dauerausstellung im Block 27 im Museum Auschwitz-Birkenau. Schory war Mentorin bei verschiedenen Dokumentarfilm-Labs in Goa, Sarajewo, Tiflis, Budapest und Turin. Sie war Mitglied in mehreren Festival-Jurys, u.a. beim Fernsehspiel Jury Baden Baden 2011, beim IFF Haifa (2018), beim Docaviv (2015) und beim Jerusalem Film Festival (2014). Acht Jahre lang war sie zudem Leiterin des Film Departments der Arts Faculty auf dem Beit Berl College.